Von der Fragmentierung zur Integration
Abgesehen vom Körper (der wiederum aus Erdbausteinen besteht), besteht der Mensch ja auch aus Symbolen.
Symbole geben Ordnung, Sicherheit, Halt, in einer Welt, die ansonsten völlig unsymbolisch und damit unstrukturiert ist. Struktur braucht Symbole, um ausgedrückt werden zu können.
Symbole sind dabei nicht nur Buchstaben, sondern auch alles, was Buchstaben braucht, um “ins Leben gerufen” zu werden, bspw. Formulare, Gesetzestexte und Nationen.
In der freien Natur gibt es keine Buchstaben, keine Worte, keine Schilder, keine Anzeigen, sondern jedes Lebenssystem steht für sich. Austausch funktioniert nicht über herkömmliche Sprache, sondern über Flüssiges (Nährstoffe, Blut, Wasser, Bewegung usw.)
Ohne Symbole gibt es auch keine Machtstrukturen, sondern nur die Nahrungskette. Macht und Trieb sind in einer symbollosen Welt identisch, und der Trieb ist einfach “eingebautes” Handeln.
Erst aus dem Symbol entsteht ein Spiegel für das Denken. Das Symbol ist das primäre Element differenzierten menschlichen Denkens.
Die erste Verwendung von Symbolen, abseits vom Geschichtenerzählen, ist zur Definition von Regeln.
Wir müssen dabei immer beachten, dass wir historisch aus einer Welt des Absolutismus kommen, also die Identifikation eines einzigen Menschen (bspw. Kaiser, König usw.) mit Gott, also dem Symbol schlechthin.
Die Idee, durch Aneinanderreihungen von Symbolen (bspw. Sprache) alles erklären zu wollen, wurzelt immer noch extrem tief. Nur weil man nicht mehr unmittelbar an den jüdischen, christlichen oder islamischen Gott glaubt, oder nur weil man nicht mehr glaubt, dass Logik und Mathematik alles erklären könnten, heißt das nicht, dass man auch den Hang zur Überidentifikation mit Symbolen überwunden hätte (d.h. dass das geschriebene Wort mehr zählt als das gefühlte körperliche Erleben). Religion und Mathematik liegen dabei erstaunlich eng beieinander.
Diese Überidentifikation ist sehr tief in allen von uns verwurzelt, und scheinbar wurde dies so direkt noch nie klar als Problem offenbar gemacht. Erst jetzt, wo wir viele Krisen in vielen globalen und lokalen Dingen erleben, wird klar, dass weder das Innere und das Äußere, noch Oben und Unten oder Rechts und Links jemals getrennt oder Gegensätze gewesen wären. Vielmehr sind es immer nur niedergeschriebene Symbole gewesen, die Menschen verinnerlicht und damit als Teil von sich selbst adoptiert haben, wo anfangs nützliches und wichtiges Grenzensetzen zu Erbfeindschaften und Kriegen geführt hat.
Das Symbol kann im Kern auf zwei Weisen verwendet werden:
zur Manipulation (einfachster Fall: Worte zählen mehr als Gefühle), oder
zur Koordination (einfachster Fall: Register zur gerechten Nahrungsverteilung).
Die Unterscheidung ist im Detail aber oft nicht einfach, da die Symbole ja jeweils verinnerlicht sind, sodass, wenn man ein Symbol als Manipulation “beschuldigt”, jene, die sich mit diesem Symbol identifizieren, es als essentiell zur Koordination sehen werden.
Jedes Symbol existiert nur, da es zumindest von einem Menschen als wichtig zur Koordination gesehen wurde. Welche Intention hinter dieser Koordination jeweils steckte, ist eine der wichtigsten Dinge, um unsere Historie der Bürokratie von Grund auf aufzuarbeiten und mit dem Willen der Bevölkerung wiederzuvereinen.
Warum funktioniert unser Staat so schlecht? Warum sind die Menschen unzufrieden und fühlen sich überreguliert und gleichzeitig leblos? Ich denke, es ist, weil wir eben noch viele Gesetze haben, die absolut nicht mehr zeitgemäß sind.
Ich plädiere dafür, die Gesamtheit an Gesetzen zu sammeln und einmal richtig “auszumisten”, mit einem maximal demokratischen Prozess. Da gibt es so viel alten Scheiß, der eigentlich schon lange sein Ablaufdatum überschritten hat, aber leider gibt es eben (bislang) keine standardmäßigen Ablaufdaten, sodass wir heute immer noch Gesetze von vor Jahrzehnten und Jahrhunderten mit uns herumschleppen.
Überwindung der Bürokratie heißt auch, dass die Gesetze endlich wieder auf die Bedürfnisse der Gesellschaft abgestimmt werden und wirklich regulierend (im positiven Sinne, d.h. den gesunden Energieaustausch befähigend) wirken, anstatt einschränkend und alles verlangsamend.

