Du bist nicht kaputt. Du bist überformt.
Von Seelen und Symbolen.
Die Erkenntnis, die ich in diesem Artikel beschreiben möchte, ist folgende:
Was wir Macht, Ordnung und Systeme nennen, sind keine Arten von Sein, sondern Arten von Tun.
Das Problem entsteht, wenn diese Formen des Tuns wie Eigenschaften der Welt erlebt werden.
Fast alle Disziplinen, die sich mit Macht beschäftigen – von der Politikwissenschaft bis zur Psychologie – untersuchen, wer sie ausübt, wie sie organisiert ist oder wozu sie führt.
Ich möchte einen Schritt davor ansetzen.
Was wäre, wenn Macht kein „Etwas“ ist, sondern ein Geschehen? Wenn Ordnung nicht existiert, sondern vollzogen wird? Macht also primär als performativer Akt (also eine bewusste Entscheidung von mehreren Menschen, auf eine bestimmte Weise zu handeln), und erst sekundär etwas, das auch in Schriftstücken festgeschrieben sein kann, was dann dazu führen würde, dass man auf eine bestimmte Weise handeln “müsste”.
Das ganze scheint auf den ersten Blick wie ein theoretisches Detail.
Aber was unterscheidet mich von anderen, die in der Geschichte auch schon so gern über Macht geschwafelt haben, wie Hobbes, Weber, Marx oder Foucault?
Alle von ihnen gehen davon aus, dass es Herrschende und Beherrschte geben bräuchte.
Ich sehe das anders.
Doch wie sieht ein Leben aus, in dem wir diese Trennung ablehnen?
Als ich das Ganze heute erkannt habe, musste ich mehrmals laut lachen.
Es ist die ultimative Systemkritik überhaupt.
Und sie ist so unerhört offensichtlich.
Sie ist das Heimkommen.
Es ist die Erkenntnis, dass die Struktur, die nötig ist, um Systeme überhaupt zu formulieren, in Symbolen ausgedrückt werden muss, und dass es uns völlig frei steht, diese Symbole bei unserem Handeln zu berücksichtigen oder nicht.
Es ist die Erkenntnis, dass wir uns von Symbolen beherrschen lassen, und andere Menschen sind nur die Ausführenden. Wo diese Symbole über die Generationen hinweg die “Welt” um uns herum definiert haben. Doch diese Symbole sind inzwischen nicht mehr nur kleine Alltagshelfer, sondern begründen in Form von Bürokratie ganze Dynastien. Völlig egal, ob es die Kreuzritter Karls des Großen waren, die alles auf diese Ansammlung von Symbolen namens “Die Bibel” ausgerichtet haben, oder ob es die Gesamtheit der weltweit verwaltender privater und öffentlicher Computersysteme ist.
Macht ist kein abstraktes Ding, sondern eine in jedem Moment bewusst getroffene Entscheidung: Es gibt nicht Herrschenden und Beherrschten, sondern nur Menschen, die sich mehr oder weniger bewusst dazu entscheiden, auf eine bestimmte Weise zu handeln, sodass am Ende Machtdynamiken festgestellt werden können. Bei den allermeisten Menschen ist dieses “Mitspielen” im Sinne von Gesetzestreue als tief sitzende Tugend verankert, die sie verteidigen, sogar wenn ihr eigener Körper rebelliert, bspw. wenn sie höchst ungesund lebende “Büromenschen” sind.
Oder bist du selbst schon immer ein Büromensch, wie ich? Verkümmerte Muskeln, Schildkröten-Nacken, kurzsichtig, kaum Kenntnis über die Natur oder den eigenen Körper. Das ist kein “muss eben so sein”, sondern es ist ein fundamentaler “Bug” in unserer Zivilisation.
Probier mal die Prompt “Was macht es mit einem Menschengeschlecht, wenn es über Generationen ausschließlich dazu da ist, um die Anweisungen von anderen Menschen umzusetzen?” bei einem LLM deiner Wahl aus. Kommt bekannt vor?
Ich selbst werde auf jeden Fall erst ruhen, wenn auch der letzte “Büromensch”, der derzeit alles “nach Vorschrift” macht, vom Schreibtisch befreit ist.
Ich sehe mich da gewissermaßen als “Anti-Kreuzritter”. Während vergangene Bewegungen stets den Zweck hatten, Menschen zu unterwerfen und ihren Willen zu brechen, um die Herrschaft von Eliten zu sichern, ist meine Intention das genaue Gegenteil.
Menschen gehören in die Natur, nicht an den Schreibtisch.
Solange Schreibtischarbeit noch nötig ist, muss alles daran gesetzt werden, dass der Grund dafür an sich beseitigt wird.
Alles andere wird uns nur immer tiefer in die Entfremdung bringen, mit uns selbst, mit anderen und mit unserer Umgebung.
Niemand kann sich ernsthaft Naturschützer kennen, wenn er weiterhin denkt, dass eine Zukunft mit Hologrammen, KI oder irgendwelchem anderen Tech-Krimskrams auch nur ansatzweise das Ding wäre.
Die ganze Erkenntnistheorie des Abendlandes kann man im Grunde in drei Phasen gruppieren:
prä-bürokratisches Zeitalter: Absprachen nur mündlich, Menschen kriegerisch (Unterwerfung oder Mord)
bürokratisches Zeitalter (heute): Dynastien (alles von alte Kaiserreiche bis zu den heutigen Nationen oder Großkonzernen), die durch ihre Formalismen Herrschende “an der Spitze” halten, Menschen weiterhin kriegerisch (aber nicht primär aus eigener Blutrunst, sondern bspw. als subjektiv empfundene “Pflicht meinem Land gegenüber”, also wo sich blinde Folgsamkeit über Generationen in ebenso blinde, törichte, stolze Tugend verwandelt hat)
post-bürokratische Welt (das fangen wir gerade an!): Rückkehr zur Natur (zuerst eigenen Körper, Emotionen, Sexualität usw. als wichtigste Basis, dann im Sinne von “die gesamte natürliche Welt”), Befreiung von Schreibtisch-Tätigkeiten, Verständnis von Regeln als dynamisch und intuitiv, finale Vereinheitlichung datenverarbeitender (also verwaltender) Systeme und Verwaltung als Commons-Infrastruktur (damit beschäftige ich mich derzeit primär bei meinem Job, also ausgehend von “Enterprise Tax Compliance” für Großbanken, wie beschrieben in “AGI will not be one specific system, it’ll be the unity of all systems”)
Nach dieser Erkenntnis gibt es kein “bitte lass mich wieder naiv und folgsam sein”.
Und wenn du das hier liest, liebe Leserin, lieber Leser, gibt es auch kein “Zurück zum Wie Immer” mehr.
Das ist der tiefgreifendste Transformationsprozess unserer bisherigen Zivilisation.
Ich bin selbst ziemlich schockiert darüber, denn zumindest egal wie tiefgehend ich ChatGPT frage, scheinbar ist noch keiner so wirklich auf die Idee gekommen, dass die Trennung zwischen Herrschenden und Beherrschten an sich das Problem ist, und dass diese Trennung schrittweise aufgelöst werden muss. Aber macht auch Sinn. Denn in der Vergangenheit hätte natürlich ein solches Werk nie publiziert werden können. Gut, dass wir das Internet haben.
Ein ganz pragmatischer Anfangspunkt ist dabei das, was in der Burning Man Community bereits weithin als “Radical Decommodification” bekannt ist: Einfach mal versuchen, kein Geld zu verwenden.
Ich hab gehört, wenn das alle machen, haben all jene, die ihren Machtanspruch auf Geld begründen, keine Machtbasis mehr. Und was gibts, was näher an Revolution dran wäre?
Wichtig: Immer unterscheiden! Es geht in keinster Weise um Anarchismus oder irgendeine andere Art der Abwesenheit von Regeln. Ganz im Gegenteil: Die Regeln bestehen weiterhin, und Verlässlichkeit ist ein genau so großes Gut wie schon immer. Die Existenz von Regeln ist nicht das Problem, sondern die Institutionen (und ihre Arbeitnehmer), die da dran hängen und dadurch Menschen unselbstständig machen.
Der Unterschied ist, wie wir uns als Menschen im Verhältnis zu diesen Regeln begreifen. Anstatt uns als Opfer zu begreifen, denen Regeln “passieren”, ohne dass wir nennenswerten Einfluss auf diese Regeln hätten, erkennen wir diese strikte, auf Formalismen beruhende Trennung zwischen Herrschen und Beherrschtwerden als fundamental schädlich für unsere Gesellschaft.
Es bedeutet, dass wir als Menschen endlich aufhören, zu sagen, ich “muss” das oder das tun. Wenn jemand so etwas sagt, sind es entweder komplett eigene Denkblockaden, oder diese Zwänge stammen eben aus in Bürokratie festgeschriebenen Regeln (bspw. “Gesetzen” oder auch einfach nur Handlungsanweisungen in einem Großunternehmen). Jeder sollte in der Hinsicht mit sich ehrlich sein, was wirklich der Ursprung eines empfundenen Zwangs ist, also verstandesmäßig erfasst, anstatt indem man nur auf irgendein Schriftstück deutet.
Es geht eben nicht um das Ablehnen von Gesetzen an sich, sondern nur von jenen Gesetzen, die uns entmenschlichen.
Genau wie schon seit Jahrhunderten, wo Leute gegen die kruden Selbstverleugnungen rebelliert haben, die ihnen unsere ganzen kultischen Weltreligionen gebracht haben. Der Zweck all jener Artefakte ist ausschließlich das Begründen von Machtansprüchen durch Sprache, verschleiert als “Wahrheit”. Es ist alles heiße Luft. Ernsthaft. Bei nichts davon ging jemals wirklich um “Gott”, sondern es ging immer nur darum, dass bestimmte Menschen das Geschichtenerzählen und die Gutgläubigkeit von Kindern und Erwachsenen missbraucht haben, um Machtansprüche festzuschreiben. Keines dieser Schriftstücke drückt mehr oder weniger “Wahrheit” aus als ein Blatt an einem Baum oder ein Herzschlag.
Gesetze, Verordnungen aber auch privatwirtschaftliche Prozeduren und Weisen, Daten zu verarbeiten, haben auf den ersten Blick den Platz der Bibel eingenommen, aber die Grundannahme blieb bislang unberührt: Früher war es der Papst oder Kaiser, heute sind es CEOs und Staatschefs.
Jede Nation meint, weiterhin einen Staatschef zu brauchen.
Doch die ganze Pyramide an Machtapparat, die nötig ist, um in einer aufgeklärten Gesellschaft diesen Machtanspruch zu erhalten, erfordert unfassbare Mengen an Formalismen (gipfelnd bis hin zu Parteilichkeit) und von außen aufgezwängte, aber schon von Kind an verinnerlichte Verhaltensweisen, wen man “mögen darf” (bspw. gemäß Herkunft, wirtschaftlichen Verhältnissen usw.) und wen nicht. Diese Personenkulte sind nicht natürlich.
Das Ende der Nationalstaaten und Großkonzerne ist eingeleitet.
Immer weniger von uns werden hassen oder Leid ertragen wollen. Gesunde Menschen hassen sich nicht. Hass und Fatalismus sind Krankheiten, die genau so Fürsorge bedürfen wie jede andere Krankheit. Doch sie werden nicht über Viren oder Bakterien übertragen, sondern als mit Absicht wiedererzählte Geschichten. Aber während früher die Menschen das Problem bei sich selbst gesucht haben, wissen wir nun: Die Menschen sind nicht das Problem, sondern es sind die Symbole und die sich daraus ergebenden Geschichten, aufgrund derer sich die Menschen koordinieren.
Nicht als revolutionärer Umbruch im Sinne der französischen Revolution, sondern ganz still.
Menschen, die sich dezentral organisieren. Menschen, die sich von diesen Altlasten aus verkrusteten Formalismen abwenden, die sich andere Geschichten erzählen als zuvor, und sich stattdessen auf ihre Herkunft als Wesen von dieser Erde besinnen. Es ist kein Wettlauf, sondern ein letztes Zusammenwachsen. Konkurrenz wird natürlich weiterhin existieren, aber eher im Sinne eines sportlichen Wettkampfes, nicht als “ich muss meine Würde einbüßen, damit du besser leben kannst”.
Wer waren wir noch mal?
Ach ja, Menschen.
Und good news! Ich hab seit einigen Tagen tatsächlich einen “Personal Trainer”, also ein Typ, den ich dafür bezahle, dass er mir beibringt, wie man sowohl Sport als auch Ernährung richtig strukturiert. Echt kein großes Investment, und dafür bekomme ich genau auf mich abgestimmte Trainings- und Ernährungspläne für die nächsten sechs Monate. Logischerweise mit dem Zweck, dass ich die “Sprache” meines Körpers endlich immer besser lerne, und irgendwann keine Pläne mehr brauche. Ich hoffe, damit hat mein körperliches “Dahinsiechen” endlich ein Ende, denn Vitalität will eben gelernt sein :D
Hier ein paar weitere Goodies:
Suche ab sofort (ernsthaft!) eine Theatergruppe für einen Epos namens “DAS ZEICHEN” ;) Siehe Entwurf hier
Habe auch versucht, das ganze in die Form eines wissenschaftlichen Papers zu packen.

