Die Kunst und die Wissenschaft
Die Kunst und die Wissenschaft werden in einem zentralen Merkmal vereint: sie brauchen gute Lehrer.
Didaktik ist eines der zentralen Merkmale einer Gesellschaft: Wie wird gelehrt?
10 Merkmale guten Unterrichts von Hilbert Meyer.
Das abstrakte Wissen ist da.
Ich lerne, ein guter Lehrer zu sein. Zuerst einmal für mich selbst.
Kunst und Wissenschaft werden bislang nur in philosophischen Kontexten zusammengebracht, und vielleicht noch in der Materialverarbeitung und im Design, aber nicht strukturell, nicht eng verknüpft.
Die Kunst sieht die Wissenschaft als verkopft und die Wissenschaft sieht die Kunst als unwissenschaftlich.
Es ist das Spektrum zwischen Einheit/Vielheit, also “alles Sein ist wahr” und Dualität, also “es gibt ein klares Wahr und Falsch”. Manchmal ist der eine Ansatz nötig, manchmal der andere. Derzeit werden die beiden Ansätze von vielen Praktizierenden als gegensätzlich gesehen.
Bis jetzt.
Wir gründen eine neue Art von Schule: Eine Schule, die die Kunst mit der Wissenschaft verbindet, die den Wissenschaftler aus seiner Überidentifikation mit dem Kognitiven holt, und ihn, als Yin-Yang-artiges Komplement des Künstlers, in Richtung Harmonie mit sich gegenseitig bringt.
Dabei meine ich mit “Kunst” wirklich alles, was Freude erzeugt, hier zum Beispiel ein paar erste Ideen (keine Garantie auf Vollständigkeit oder Relevanz für den Einzelnen, sondern lediglich Inspiration als Anstoß zum Selbstdenken):
Atem/Stimme → Kultur des Ausdrückens → Gesangstechniken, Breathwork/Atemarbeit, Sprecherziehung, Stimmimprovisation
Ernährung → Kultur des Nährens → Kochkunst, bewusste Esspraxis, Slow-Food-Kultur, sensorisches Geschmackstraining
Bewegung/Sport → Kultur des Bewegens → Tanzformen, Körperarbeit (z. B. Feldenkrais/Alexandertechnik), Kampfkunst als Bewegungskunst, Bewegungsimprovisation
Ausscheidung → Kultur des Ausscheidens → Verdauungs- und Toilettenrhythmuspflege, Darmgesundheitspraktiken, Körperpflege- und Hygienekultur, somatische Körperwahrnehmung
Gefühle → Kultur des Fühlens → Schauspieltraining, musikalischer Ausdruck, kreatives Schreiben, künstlerischer Selbstausdruck
Sexualität → Kultur des Liebens → Paartanz, Körperwahrnehmungstraining, Intimitätsarbeit, sinnlich-ästhetische Körperpraxis
Denken/Kognition → Kultur des Verstehens → Zeichnen/Strukturzeichnen, philosophisches Schreiben, Kompositionslehre, konzeptuelle Gestaltungsübungen
Natur/Materialität → Kultur des Erdverbundenseins → Handwerk (Holz, Keramik etc.), Garten-/Landschaftsgestaltung, Naturkunst, materialbezogene Gestaltungspraxis
Ressourcen/Eigentum → Kultur des Umgangens → Haushalts- und Ordnungskultur, Kuratieren/Besitzgestaltung, Sharing-Praxis, nachhaltige Konsumgestaltung
Arbeit/Wirksamkeit → Kultur des Wirkens → Handwerkskunst, Projektgestaltung, Designprozesse, kollaborative Produktionspraxis
Regelung/Konflikt/Trennung → Kultur des Klärens → Theater/Dramaarbeit, Rhetoriktraining, Mediationspraxis, dialogische Konfliktarbeit
Zugehörigkeit/Familie → Kultur des Dazugehörens → Chor/Ensemblearbeit, Gemeinschaftskunst, Ritualgestaltung, partizipative Projekte
Nähe → Kultur des Annäherns → Partnerimprovisation im Tanz, Duo-Musizieren, Gesprächs- und Begegnungskunst, Porträtarbeit
Bedeutung/Orientierung → Kultur des Sinngebens → Ritual- und Symbolgestaltung, kontemplative Kunstpraxis, Meditation mit ästhetischem Fokus, Landschafts-/Raumerfahrung
Wenn das der Hintergrund ist, vor dem Wissenschaft gemacht wird, dann kann die Wissenschaft neue Höhen erreichen, da der Wissenschaftler sich zum ersten Mal tief im Inneren als Künstler und als Mensch begreift. Und schließlich kann ein sich wohl fühlender Körper viel besser lernen, lehren und arbeiten als ein vernachlässigter.
Ich habe allerdings noch nie eine Schule gegründet. Falls da jemand Tipps hat, gerne her damit an julian@hermesloom.org!


Der Gedanke gefällt mir, ich bin bei der Recherche zu meinem Buch über zwei alternative Schulen gestoßen, deren Konzepte ich spannend finde und die haben Erfahrung im Aufbau von Schulen abseits des klassischen Unterrichts. Einmal die ASW Alemannenschule Wutöschingen und Ricardo Leppe von Wissen schafft Freiheit. Schau da mal rein.